Fintech in Afrika – Ein Vorbild für Deutschland?

Deutschland hat international den Ruf, eines der modernsten Länder weltweit zu sein. Aber jede*r, der in Deutschland war, weiß dass es noch viel Luft nach oben gibt. Insbesondere im Bereich der Digitalisierung steht Deutschland im internationalen Vergleich recht mau da. Schlechte Internetverbindungen im ländlichen Raum, kaum kostenloses W-Lan in den deutschen Innenstädten und mit Zettelwirtschaft der deutschen Verwaltungen möchte ich lieber gar nicht erst anfangen.

Ein wichtiger Teil des Digitalisierungsprozesses ist die Fintech Branche. Wie der Name schon andeutet, geht es bei Fintech um technologische Innovationen im Finanzsektor. Dabei dreht es sich unter anderem um Cryptowährungen, wie Bitcoins, aber auch um Innovationen, wie man Banking für die Endkonsumierenden so leicht wie möglich gestalten kann, wie beispielsweise kontaktloses Zahlen. Auch wenn die Bundesrepublik im gesamten Digitalisierungsprozess noch viel vor sich hat, sind deutsche Metropolen wie Frankfurt am Main und Berlin zu wichtigen Standorten vieler Fintech Unternehmen geworden. Der deutsche Fintech-Markt hat sich daher in den letzten Jahren von einem Nischenphänomen zu einem Markt mit signifikanten Volumina entwickelt.

Doch auch auf dem afrikanischen Kontinent birgt Fintech ein enormes Potential. Im Gegensatz zu dem deutschen und europäischen Markt liegt der Fokus jedoch nicht darauf, den gesamten Banking-Prozess zu verbessern, sondern jede*n in den Prozess zu integrieren. Denn anders als in Deutschland, ist es in Afrika nicht üblich direkt mit 16 Jahren sein erstes Girokonto zu eröffnen. Ein großer Teil der afrikanischen Bevölkerung ist nicht in den klassischen Finanzsektor integriert. Jedoch birgt dieses Defizit natürlich auch große Möglichkeiten für Unternehmen – insbesondere im afrikanischen Fintech Markt entwickelt sich ein Leapfrogging.

Im Zuge dessen hat sich in Afrika Mobile-Banking stark durchgesetzt. Wenn man sich z.B. Kenia anguckt, sieht man wie der Mobilfunkhersteller Safaricom mobile Bezahlungsmöglichkeiten in den Alltag gebracht hat. Safaricom hat Deals mit Banken wie der Commercial Bank of Africa und der KCB Bank geschlossen, die es ermöglichen, über eine M-Pesa-Plattform Kredite an Kund*innen zu vergeben und Bankeinlagen entgegenzunehmen. Kund*innen der M-Pesa-Plattform besuchen eine*n lokale*n M-Pesa-Agent*in, um dort Geld einzuzahlen, wofür er oder sie Cybergeld – “e-float“ – die M-Pesa Währung, erhält. Dieses elektronische Geld kann mit anderen M-Pesa Kund*innen in Form einer SMS ausgetauscht werden. Dadurch können so Nutzer*innen Geld an Familie und Freunde senden, Rechnungen bezahlen, aber auch wieder Geld aufladen: Ein virtuelles Bankkonto ohne eine Bank. Somit sind Kenianer*innen nicht mehr auf große Banken angewiesen, die meist nur in Großstädten ansässig sind, sondern haben so eine kostengünstige mobile Alternative. Dadurch hat sich M-Pesa zu einer gängigen Bezahlmethode in Kenia entwickelt.

Das Beispiel von M-Pesa zeigt deutlich, wie wichtig Fintech in unserem Alltag ist. Insbesondere in Afrika ist es ein aufsteigender Wirtschaftszweig, der vor allem die Financial Inclusion sehr weit voranbringen kann. Denn durch solche Innovationen können sowohl die ländliche Bevölkerung, als auch Frauen stark profitieren. Insbesondere diese beiden Gruppen sind häufig vom klassischen Finanzsektor exkludiert und somit wird ein größerer Gap in der afrikanischen Bevölkerung geschürt. Durch die Inklusion kann Armut bekämpft, sowie auch weitere Innovationen durch Entrepreneurship gefördert werden. Natürlich ist es schwierig, den deutschen und kenianischen Finanzsektor miteinander zu vergleichen, schon alleine aufgrund der vorherig besprochenen Grundvoraussetzungen. Nichtsdestotrotz denke ich, dass man auch hier in Deutschland vom afrikanischen Fintech-Markt lernen kann. Insbesondere von  der Offenheit für neue Technologien bei den Nutzer*innen können sich die deutsche Verwaltung, die Unternehmen und Konsument*innen stark was von abgucken. Natürlich zeigt auch M-Pesa deutlich wie vielversprechend der afrikanische Finanzsektor sein kann. Auch wenn Afrika in den Augen vieler Europäer*innen unterschätzt wird, zeigt die Erfolgsgeschichte von Safaricom doch wie innovativ und lukrativ Afrika sein kann. Ein gemeinsamer, partnerschaftlicher Austausch auf Augenhöhe kann somit Innovationen und Digitalisierung auf dem afrikanischen Kontinent wie in Deutschland fördern und neue, gleichberechtigte Partnerschaften ausbauen.


Zur Autorin:
Jessica Stang ist Community Managerin des Germany Africa Business Forum, einem privaten Verein, der die sozioökonomischen Beziehungen zwischen Deutschland und Afrika fördert.